Sonntag, 21. Dezember 2014

Erdmann reloaded / Nachruf



Alle Jahre Wieder...

Das Pfingstochsterhasenmann















  ... Kommt der Christusmarkt.



Da bin ich wieder- es läßt mir keine Ruhe.


Der Lärm...



Wo war ich? Ach ja.

Weihnachten.


Menschen und Tradition


Zu ihren Traditionen gehören Märchen, zum Beispiel:
Dornröschen in der deutschen Fassung.


Das Pubertätsmärchen von weiblichen Dorn-Röschen:

Das Dornen-Röschen
Ein junges Mädchen wird davor gewarnt, Spindeln zu anzufassen, bei Strafe des Todes. Sie tut es dennoch, mit sechzehn, wobei sie eine alte Frau im Turm erwischt.

Sie erschrickt sich draufhin tatsächlich zu fast zu Tode, und fällt in eine jahrelange Passivität - den Dornröschenschlaf.

In dieser Zeit wächst ein Dornengestrüpp um ihr Schloß, in denen eine Rosenknospe erblüht, das Dornen-Röschen (Viele Dornen um 1 Röschen) - bis endlich ein junger Mann (und zwar der richtige zum richtigen Zeitpunkt) diese Dornenhecke durchdringt, um die schlafende junge Frau zu erwecken.


Die Menschen.


Um die eigene Tradition aufrecht zu erhalten, gibt es identische, mit einheitlich hergestellten, (vielleicht auch noch aus fernen Ländern) einheitlich bestückten Verkaufsbuden zugestellte Weihnachtsmärkte, beschallt mit fremdsprachiger Musik in Endlosschleife (womit die Menschen sich schon die ganze Woche vom Nachdenken abhalten), und das am liebsten 356 Tagen im Jahr, unterbrochen nur durch Oster- und Pfingst- und sonstigen "traditionellen" Märkte, insbesondere an den Wochenenden.


Denn darum geht es letztendlich: Einen legalen Weg zu finden, auch am Wochenende Krempel zu verkaufen, und sei es unter dem Deckmantel der Christlichkeit. Denn traditionell wurde an Sonntagen zu Kirmes nach der Kirchmesse immer schon dem Einkaufs- und anderen Vergnügen gefrönt- damit man die Kirchmesse schnell wieder vergißt, frisch gebadet und gebeichtet wie man war.


Und jede Minute ohne Umsatz fehlt nachher in der Bilanz beim Schuldenmachen, und Schulden bedeuten Geld. Und die größten deutschen Weihnachtsmärkte stehen sowieso nicht in Deutschland. Wahrscheinlich ist "Deutscher Weihnachtsmarkt"® ein international geschütztes eingetragenes Folklore-Warenzeichen.

Ziel ist es natürlich, die Buden das ganze Jahr über stehen zu lassen und nur die Schilder auszutauschen: Weihnachten, Valentin, Ostern, Pfingsten, Allerheiligen, Weihnachten... habe ich was vergessen? Wuff.


Wozu abbauen, wenn sie morgen eh wieder da stehen werden.



http://www.hermsdorf-regional.de/persoenlichkeiten/geithe-friedrich/plumsklo.html
Die Ähnlichkeit...
Übrigens stehen die selben Buden bereits in Großstädten in China.

Weltweit alle vom selben Hersteller, offensichtlich. Wahrscheinlich einem chinesischen, wie das Zeug darin. Tradition ist nun mal Tradition, egal wo sie herkommt. Weihnachten ist eigentlich das Fest der obdachlosen und einsamen; Hirte zu sein ist einer der einsamsten Berufe der Welt - ich hatte einen Vetter in der Forstwirtschaft und sollte es daher wissen. Und St. Martin ist das Fest der Armen und der Bettler, derjenigen, die zu Pfingsten nichts abbekommen haben. Wuff.

Warten auf den Weihnachtsmann

Auch wenn die Chinesen da anscheinend etwas durcheinander bringen.


Obwohl, eigentlich nicht.



Mit dem Klimawandel wird das mit dem Winterfest als solchem sowieso hinfällig. In Indonesien ist es ja bereits seit Jahren soweit. Nun ja- am Ende zählt sowieso nur der Umsatz. Wuff! Dessen Höhe im Vergleich zum Vorjahr wird regelmäßig über die Presse durchgegeben.


Und wenn es partout keine Tradition gibt, dann wird so lange in historischen Büchern nachgeschlagen, bis man eine konstruieren kann, und wenn gar nichts mehr hilft, weil traditionell die Bauern da zu tun hatten, oder nicht wegkamen, wie etwa im Februar oder im Oktober, nun, dann werden eben fremde Traditionen importiert- was den Vorteil hat, daß man nur eine einzige Fabrik auf der Welt braucht, um diesen globalen Einheitsbrei löffelweise zu verteilen. Wuff.


Die Welt ist inzwischen ein Dorf, aus dem jeder vernünftige Mensch zu fliehen versuchen würde - wenn es denn etwas anderes gäbe. Achtung vor dem Anderen kann es ja nur geben, wenn der Andere auch ein Anderer ist. Sonst bleibt ihnen nur der Narzissmus... die Selbstbespiegelung.

Das Dorf liegt deshalb unter dem Diktat der ewigen Bereitschaft von jedem Einzelnen zum Wohle Aller, ohne das sie erkennen können, daß sie das selbst sind und deshalb die Bereitschaft aufheben könnten - dazu ist es zu groß, das globale Dorf, und da es global ist, ist immer ein Teil der Insassen wach und stört die Anderen beim Schlafen, während die Schlafenden die Wachen stören - Narzissmus im Quadrat. Wer Gegensätze wie Wachsein und Schlafen, Arbeit und Pause gleichzeitig haben will, zerstört nun einmal beide.



Dann werden noch irgendwelche Bezüge erfunden und/oder konstruiert, damit die Leute denken, sie seien selbst darauf gekommen- und nach zehn Jahren ist es immer schon so gewesen, weil der Nachwuchs es nicht anders kennt. Aber es ihnen sowieso egal.

Das Sterntalerchen

Und wenn nicht, dann wird eben umgewidmet: St. Martinstag wird zu Sonne, Mond & Sterne Tag - und das Märchen vom Sterntaler unterlegt. Obwohl - geht das heute noch? Ein kleines Mädchen, daß auf der Straße das Hemdchen hebt, und es regnet Taler? Könnte schiefgehn.


Egal! Das Weihnachtsfest wird zum "Winterfest", weil Weihnachten zu christlich klingt. Gern über Weihnachten hinaus.

Aber erst das Umdichten der Weihnachtslieder, das wird lustig:



Vom Himmel hoch, da komm' ich her, ich bring' Geschenke, bitte sehr?!


Da fehlt nicht mehr viel.



Ostern: Das Frühlingsfest.
Pfingsten: Das Sommerfest.
Allerheiligen: Das Herbstfest (obwohl, das isses schon).


Dazu der Winterfest-Markt, der Frühlingsfest-Markt, der Sommerfest-Markt, der Herbstfest-Markt. Fertig. Auch das trägt zur Infantilisierung bei. Da schadet dann auch der gefürchtete Plüschtierautomat nicht mehr.


So werden alle religiösen Feste der Menschen auf ihren heidnischen Ursprung zurückgeworfen, den sie ja nie wirklich verloren haben. Aber danach ist das Religiöse ganz weg, und neue Generationen wächst heran, die nur noch die vierteljährlichen Kauffeste kennen. Ziel erreicht. Natürlich nur da, wo es auch etwas zu kaufen gibt.

Das dauert nicht mehr lang. Und dann schmuggelt man aus allen erreichbaren Kulturen global alles mögliche rein oder erfindet neue, bis es jeden Monat eins gibt. Warum nicht gleich ein monatliches Mond- und Menstruationsfest? Jedes Neumondwochenende?

Mit einem Monatsmarkt und der Gelegenheit zu kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, wuff, wuff, *hust*- 'tschuldigung!



Das wär's doch.

Gern geschehen.


Auf eine Neues!


"Es gibt keinen Weihnachtsmann. Das hat mir der Osterhase verraten!" (Filmdialog)


Nachtrag: Wie jemand schrieb, werden die Schokoladen-Weihnachtsmänner bekanntlich nach Neujahr in Heimarbeit zu Schokoladen-Osterhasen umgewickelt.

Was es noch nicht gibt, ist eine entsprechende Figur zwischen diesen beiden Feiertagen, die auf die Universal-Schokoladenpressfigur aufgewickelt werden kann.




Wie wäre es mit dem oben gezeigten Pfingstochsen?

Damit wäre die alljährliche Verkaufslücke gefüllt.


Wuff.